Die Schulabschlüsse der Friedrich-Hecker-Schule führen zum einen zu Bildungsabschlüssen wie dem Abitur oder der mittleren Reife. Zum anderen durchlaufen Schüler den schulischen Teil einer dualen Berufsausbildung, mit der sie zum Beispiel Maurer, KFZ-Mechatroniker oder auch Schreiner werden.

Vor zwei Jahren wurde die Fachschule für Bautechnik in Mannheim aufgelöst. Den Zuschlag für die Fortführung der Fachschule für Bautechnik erhielt die Friedrich-Hecker-Schule mit ihrer modern eingerichteten Bauabteilung Die Fachschule für Bautechnik bildet in zwei Jahren Gesellinnen und Gesellen aus der Bautechnik mit Berufserfahrung zum staatlich geprüften Bautechniker aus.

In den kommenden Tagen absolviert der erste Jahrgang seine Prüfung. Aus diesem Anlass heraus geben die Lehrerin Susann Rosas und der Student Michael Gratza Auskunft über diese vielversprechende Ausbildung.

Herr Gratza, Sie kommen aus Maxdorf, einer kleinen Siedlung in der Nähe von Mannheim. Was hat Sie bewogen, tagtäglich mehr als eine Stunde Anfahrt auf sich zu nehmen, um nach Sinsheim auf die Fachschule für Bautechnik zu kommen?

Bei der Stadt Mannheim habe ich eine Lehre zum Straßenbauer gemacht. Nach abgeschlossener Prüfung blieb ich dort in Anstellung und wurde aufgrund meiner Leistungen zum Vorarbeiter und Mitausbilder benannt. Die Arbeit gefiel mir; es zeigte sich aber auch, dass ich Interesse und Spaß hatte an komplexeren Aufgabenstellungen. In Gesprächen mit Freunden und meinen Vorgesetzten stellte sich schließlich für mich heraus, dass ich in meinem Berufsfeld Bautechnik den Techniker machen werde. Für mich ist die Friedrich-Hecker-Schule trotz der vielen Kilometer gut zu erreichen. Auch die sehr gute schulische Ausstattung, die ich bereits im ersten Ausbildungsjahr als Straßenbauer kennen gelernt habe, sind für mich Beweggründe gewesen, meine Technikerausbildung hier in Sinsheim zu machen. Und die Schulzeit, die ich jetzt hier verbracht habe, bestätigt meine Entscheidung: die Technikerausbildung wird für mich ein voller Erfolg.

Sie sagen so sicher „die Technikerausbildung wird ein voller Erfolg“! Aber Ihre Prüfung haben Sie ja noch vor sich?

Gewiss, aber ich habe jetzt schon wie die meisten meiner Mitschüler meinen zukünftigen Arbeitsplatz als Bautechniker – und wieder bei der Stadt Mannheim. Die Nachfrage der Baufirmen ist groß. Einige von uns brauchen gar keine Bewerbungen zu schreiben; zum Teil können wir uns sogar die Firmen aussuchen!

Frau Rosas, Sie sind Bauingenieurin und Sie sind die Klassenlehrerin. Stimmt das, was Ihr Schüler so sagt und wenn ja, woran liegt das?

Selbstverständlich stimmt das! Da sind mehrere Gegebenheiten, die die Bewerbung um eine Arbeitsstelle für unsere Studenten zu einem Arbeitnehmermarkt werden lässt – Sie werden oft mit Kusshand genommen! Zum einen durchleben wir gerade eine stabile Hochkonjunktur; insbesondere auch der Baubereich – egal ob Hoch- oder Tiefbau – boomt. Händeringend suchen die Firmen nach gut ausgebildeten Fachkräften, die sie mit unseren Bautechnikern erhalten werden. Zum anderen finden unsere Studenten hier in Sinsheim eine Ausstattung vor, die ihres gleichen sucht, sowohl in der Theorie als auch in der Praxis. Die Bauabteilung besitzt unter anderem einen modern ausgestatteten Computersaal, in dem mit AutoCAD und Vektorworks Pläne gezeichnet und Berechnungen ausgeführt werden. Auch in dem eigens eingerichteten Baulabor werden die verschiedensten Baustoffe zerlegt und untersucht.

Frau Rosas, aber die Lehrer müssen sich erst in die Bildungspläne der neuen Schulart einarbeiten?

Ja und nein! Herr Ras, der ehemalige Leiter der Mannheimer Fachschule für Bautechnik, und einige seiner früheren Kollegen, unterrichten nun bei uns. Zusammen mit ihm leite ich unsere Fachschule. Wir sind ein gutes Team geworden und haben seine Erfahrungen gewinnbringend in unsere konzeptionellen Vorstellungen einbinden können, sodass unsere junge Fachschule somit bereits ein ausgereiftes Produkt ist.

Wir sind für alle Baufirmen eine höchst interessante Fachschule! So können die Baufirmen an der jetzt stattfindenden öffentlichen Präsentationsprüfung teilnehmen und können mit einen für sie geeigneten Kandidaten ins Gespräch kommen. Das gleiche gilt für unsere Absolventen!

Das hört sich sehr interessant an!

Auch unser Projekt „Starter-Haus“ ist bemerkenswert. Hier entwickeln unsere Studenten in Teams Häuser, die von Architekten und Bauingenieuren begutachtet werden. Das Haus, welches am meisten Zuspruch von dieser Jury erhält, wird nun von unseren Studenten weiter entwickelt. – Diese Fachschule ist eine ideale Schulart für ambitionierte Gesellinnen und Gesellen aus dem Bereich der Bautechnik.

Herr Gratza, was mir aufgefallen ist: Ihre Lehrerin, Frau Rosas, redet immer von Studenten nicht von Schülern. Ist das in Ordnung?

Sicher, weil wir mit der bestandenen Prüfung zum Bautechniker auch den Bachelorgrad erwerben.

Frau Rosas, Herr Gratza! Haben Sie vielen Dank für dieses Interview. Ich wünsche Ihnen beiden noch viel Erfolg!

Das Interview führte Clemens Essert, der bei den Bautechnikern das Fach Betriebliche Kommunikation unterrichtet.

Beiliegendes Bild zeigt von links OStR’in Susann Rosas, Student Michael Gratza und OStR Clemens Essert beim Interview.